Reformationsjubiläum in Bayern
BR Radltour Klosterlechfeld: Fröhliche Radler an Biertischen
BR Radltour macht Mittag in Klosterlechfeld
Sonthofen 29. Juli bis 05. August 2017

Die BR Radltour legt ihre Mittagspause am vierten Etappentag in Klosterlechfeld ein. Die Stimmung brummt: Der Landesbischof lässt sich zu einem spontanen Geigenspiel hinreißen. Das Bühnenprogramm begeistert mit fetziger Musik und einem „Radltour-Blues. Die Sportler essen und plaudern vergnügt. Einige tanzen. Und dann gibt es kurz vor der Weiterfahrt noch einen ökumenischen Doppelsegen.  

Um die Mittagszeit herrscht am 2. August in Klosterlechfeld ein angenehmer Ausnahmezustand. Die Freiwillige Feuerwehr Untermeitingen sprengt Wasser in die Massen. Damit begrüßt sie die einfahrenden Radler auf erfrischende Weise. Die Ortsmitte ist von beiden Zufahrtswegen gesperrt. Die Wallfahrtskirche Maria Hilf ist umringt von circa 1.100 fröhlichen Radlern. Viele liegen im Gras, essen, trinken oder dösen vor sich hin. Manche erfrischen sich am an diesem Tag begehrten Brunnen. Die meisten jedoch stehen in einer der Schlangen vor den Getränke- und Essensbuden. Oder sie sitzen bereits an Biertischen und lassen sich eine Mahlzeit schmecken. Die Stimmung ist ausgelassen.

Heiße Beats, Heiterkeit und Herzlichkeit

Bürgermeister Rudolf Schneider begrüßt die Radler warmherzig. Er verrät, dass der Regen in der vorigen Nacht stark gegen sein Dachfenster geprasselt hätte. Ganz bang sei es ihm geworden ob der Ankunft der Radler. Selbst gläubiger Christ, schickte er Stoßgebete gen Himmel. Offenbar hat er, selbst Protestant, damit einen Wetterwechsel erwirkt. Die Sonne strahlt vom Himmel. Auf der Bühne erklingt von Bayerns lutherischster Band Khwaerton fetzige Musik aus Luthers Zeiten. Ein Höhepunkt bildet das Geigenspiel, zu dem sich der Landesbischof hinreißen lässt. Anschließend gibt der junge Künstler Johannes Scholz alias Johnny Gibson Musik von Johnny Cash zum Besten. Eigens für die Radler hat er auch den „Radltour-Blues“ komponiert, er tönt: „Radltour on the road again“. Das kommt an. Die Massen machen mit. Paare tanzen sogar vor der Bühne.

Die Radler sind gut drauf. Reinhold ist einer von ihnen. Er freut sich, am Start zu sein. Wieso? „Macht immer Spaß“. Beim engem Fahren sei allerdings auch schnell was passiert. Deshalb ist er froh, nach jeder Tour wieder unversehrt daheim zu sein. Markus aus Zaisertshofen im Allgäu fährt zum dritten Mal mit. Er fährt alleine, bleibt aber offenbar nicht lange alleine, wie er sagt. Was ihn bewegt: „Man kann mit jedem schwätzen“. Moderator Roman Roell findet: „Tolle Wallfahrtskirche hier“, und „Nicht nur Partypeople“. Ihm gefällt, dass er auf Tuchfühlung gehen kann. Mit den Menschen, die ihn normalerweise sonst nur sehen oder hören.

Frau Müller, Herr Schubert und pausierende Fahrradkörbe

Frau Müller aus Schwäbisch Hall und Herr Schubert aus Bamberg sind Fans der Radltour. Sie sitzen sich an einem Biertisch direkt vor der Bühne gegenüber. Sie ist das zweite Mal dabei, er zum vierzehnten Mal. Frau Müller mag die super Organisation und den Zusammenhalt. Sie hat Hochachtung vor den Leuten, die das Essen bereiten. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen klappt wunderbar.“ Und was reizt Herrn Schubert, mit von der Partie zu sein? Er bringt das für sich wie folgt auf den Punkt: „Musik, Feiern, Tanzen und die Unterkünfte“.

Ein Stück abseits vom Trubel findet sich ein Meer aus Fahrrädern. In den Fahrradkörben gibt es fast so etwas wie eine Einheitsbestückung: Trink- und Wasserflaschen, teils voll, teils leer. Dann Fahrradhelme und Radlerhandschuhe. Auf manchen Rädern liegen Handtücher oder T-Shirts, damit sie in dieser heißen Mittagspause wieder trocknen. Beachtenswert sind so manche Fahrraddekorationen. Flower-Power ist angesagt. Gelbe Blüten sind an zahlreichen Rädern befestigt. Als Kontrast guckt von einem Fahrrad ein Frosch hervor.

Von Dorferlebnissen, Kuchenfreuden und Berghochschiebern 

Ilona Kühn geht es „gut“ und auch die Motivation die Berge hochzustrampeln ist in einer Gruppe mit anderen ganz anders als alleine. Und wer ganz viel kämpfen muss, findet ab und zu auch mal einen netten „Berghochschieber“. Spaßfaktor also gegeben. Sie berichtet von vielen schönen Gesprächen und Anregungen. Kein Muskelkater? „Gut geübt, kein Muskelkater“! Ihr schönstes Tages-Highlight sind die Dorferlebnisse. „Dem Posaunenchor oben am Berg entgegenstrampeln“. Und auch von der Kreativität vieler Jugendlicher ist sie begeistert.

Der Landesbischof muss jetzt noch über einen Apfelkuchen hinweg sein schönstes Radl-Erlebnis verraten. Diesmal für die Etappe von Gessertshausen nach Klosterlechfeld. Er berichtet von einem richtigen Anstieg, der zu bewältigen war. Gefolgt vom einem Bergab-Erlebnis mit Fahrwind. „Das war vom Gefühl her das Highlight.“ Für ihn gibt’s noch weitere Highlights, die ihn jenseits des Fahrrades bewegen: „Grandioser Empfang, der Kuchen, die Gastfreundschaft vor Ort.“

Vaterunser, ökumenischer Doppelsegen und dann: „Attacke“

Die Radler begeben sich zur Weiterfahrt auf Position. Noch setzt sich der Pulk nicht in Bewegung. Der Bürgermeister bedankt sich begeistert. Auch der katholische Ortspfarrer Thomas Demel spricht zu den Radlern. Dann segnet er den Landesbischof und die Radler großzügig mit Weihwasser. Schließlich lädt der Landesbischof zum gemeinsamen Vaterunser. Dann breitet er die Hände über die Radler und spricht den Segen. Beifall ertönt, kundgetan durch kollektives Fahrradklingeln.

Los geht’s mit dem Schlachtruf „Attacke“. Polizei-Motorräder setzen sich mit Blaulicht und Signalton in Bewegung. Die Radler treten ihre Pedale durch, mit Heinrich Bedford-Strohm an ihrer Spitze. Der Bürgermeister zeigt sich bewegt: „Ein wunderschöner Tag, der noch lange nachhalten wird.“ Er verabschiedet die Radler aufs herzlichste, fast jeden einzelnen. Immer wieder winkt und grüßt er. Der Doppelsegen bringt ihn ins Schwärmen: „So stell‘ ich mir die gelebte Ökumene vor. So soll das sein. Das ist das, was die Menschen auch sehen wollen.“ Am Wegrand winken und salutieren Menschen, warten mit Tröten und netten Worten auf. Auch Werner Korn, Polizeihauptkommissar in Schwabmünchen, zeigt sich zufrieden mit dem Besuch der Radler: „Sehr freundlich, sehr friedlich, lustige gut gelaunte Menschen“.

Eindrücke rund um den Mittagshalt in Klosterlechfeld finden Sie in der untenstehenden Bildergalerie. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.

 

Autorin: Diana Schmid

Bilder: Diana Schmid

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